Liebes Publikum,
Tönnis macht Theater! Und das kam so…
Es war an einem usseligen Winterabend des Jahres 2023 im Pängel Anton in Enniger. Da zogen plötzlich drei Männer einen ahnungslosen vierten auf die Rückbank der Theke. »Wir haben da was vor«, raunte der Erste dem Vierten zu, »und du sollst mitmachen.« Der Zweite fügte mit gesenkter Stimme hinzu: »Der Honermann hat über die Kneipen in Vorhelm und Tönnis recherchiert. Da gab es wohl einen armen Pastor, der Bier gebraut und verkauft hat, um etwas mehr Geld für seine Familie zu verdienen. Dem Ritter von Vorhelm gehörte aber das Braumonopol und der hat sich mit dem Pastor dann so richtig in die Wolle gekriegt, bis die ganze Sache vor Gericht gelandet ist. Und der Pastor hat Recht bekommen ! Gut, der Richter war als Bierbrauer befangen und das Urteil wurde in zweiter Instanz aufgehoben – aber den Teil der Geschichte brauchen wir ja nicht zu erzählen.« Der Erste fragte: »Kannse dir vorstellen, da- rüber 'n Theaterstück zu schreiben?« »Äh, ja klar, bis wann denn, fragte der Vierte. »Ahlen wird nächstes Jahr 800 Jahre alt. Dann wollen wir das aufführen. Nicht im offiziellen Programm; du weißt schon, Tönnis wie immer: graswurzelmäßig«, antwortete der Zweite. »Wer spielt denn? Und wer führt Regie«, fragte der Vierte. »Na ich«, antwortete der Erste, »und spielen tun das die Leute aus'm Dorf. Ich hab da schon ein paar im Kopp.« Der Dritte meldete sich zu Wort: »Muss aber witzig sein; und jeder muss ordentlich was abkriegen.« Der Vierte überlegte kurz und sagte: »Wird gemacht.«
Bernhard Pott,
Gastwirt und Bierbrauer aus Oelde
Hermann Honermann,
ehemaliger Pastor für Tönnishäuschen
Die Drei hatten nicht zu viel versprochen. Über 60 Dorfbewohner:innen sind seit März dieses Jahres damit beschäftigt, in ihrer Freizeit den
»Bierkrieg in Tönnishäuschen« auf die Bühne, äh Pardon, ins Dorf zu bringen. Denn die Bühne ist das Dorf selbst.
An vier Spielorten in Tönnishäuschen wird das Stück aufgeführt – technisch und organisatorisch eine Herausforderung. Unter der Regie des Ersten wurde nahezu täglich geprobt.
Gleichzeitig kümmerten sich andere um Organisation, Bühnenbild, Kostüme, Technik, Pressearbeit, Verpflegung und Kinderbetreuung. Und passierte mal an einem Tag nichts, kam es zu Entzugserscheinungen: »Was machen wir denn nun? Sollen wir uns einfach so treffen?«
Der »Bierkrieg in Tönnishäuschen« wurde inspiriert durch die umfangreichen Recherchen und Aufzeichnungen des ehemaligen Pastors Hermann Honermann zur Geschichte der Gasthöfe und Brauereien in Vorhelm, Tönnishäuschen und Enniger.
Honermann, Hermann. Pastors Kneipe. In: Münsterland.
Jahrbuch des Kreises Warendorf, Jg. 2015, S.220-221, ( Weitere Teile zu »Gaststätten
in Vorhelm« in den Jahrgängen 2014 und 2013 )
Christian hat während seines
Studiums der Literatur- und Sprachwissenschaft (Englisch/Niederländisch) wohl auch irgendwann mal ein Theaterstück in die Hände bekommen. In seiner Zeit als freier Journalist lernte er dafür vor allem die Trinkbräuche in den kleinen Orten des Münsterlandes gut kennen. Und als Künstler ist er auch schon ein-, zweimal aufgetreten. Bei der Arbeit zum Bierkrieg keimte in ihm der Wunsch auf, nicht nur das Theaterstück zu schreiben, sondern auch mitzuspielen. So schrieb er sich eine Rolle in den Text und hoffte darauf, dass Mötte nicht drumherum kam, ihn zu fragen, ob er sich denn auch vorstellen könne mitzuspielen.
Et voilà, der Plan ging auf.
Während der Autor ihn eher als notorischen Plünderer fremder Kühlschränke kennt, ist Mötte in der Öffentlichkeit dafür bekannt, gemeinsam mit vielen anderen Dorfbewohner:innen mehrere aufsehenerregende Kulturprojekte in Tönnishäuschen umgesetzt zu haben. Hofkultour, Tönnis rummelt und. Schweinachtsmarkt – um nur einige zu nennen. Als Mitglied von 'Möttes Band' und des 'Theatertreck' hat er auch ein grundlegendes Verständnis dafür entwickelt, wie Theater funktionieren könnte. Für den Rest hat er seinen Regieassistenten Uli.
Uli muss immer dann ran, wenn Mötte keine Lust hat. Also eigentlich bei allem, was keinen Spaß macht: Probenpläne erstellen, organisieren, Texte mitlesen, Kontinuität im Blick halten, Absprachen von vorherigen Proben anmahnen. Für Uli kein Problem, denn er hat die nötige Gelassenheit jahrelang bei der
Theatergruppe St. Ludgeri und im Filou-Theater eingeübt.
TÖNNIS AUS DEM HÄUSCHEN
Johann Pilsticker, Pastor
Hella, seine Frau
deren Kinder
Jean, Glockengießer
Heinrich, Holzhändler
Käthe, seine Frau
Rotger von Torck
Bischof von Münster
Helmwarth, Rittmeister
Maria, Dorfbewohnerin
Jupp, ihr Mann
Richter Tröger
Gerichtsdiener
Hellebarden-Jungs
Dirk Kortenjan
Tanja Menke
Marlene Lüring,
Frederik Lüring
Christian Ronig
Jans Papenfort
Ria Lüring
Dr. Thomas Rieping
Niklas Miloczewski
Andreas Scheffer
Annette Brüggemann
Michael Kendermann
Manfred Baune
Uli Hanskötter
Thomas Stapel
Oliver Lüring
Frank Scherlitz
Dorfkinder:
Eva Lüring
Frieda Tripp
Ella Tripp
Renas Askar
Milan Askar
Amin Askar
Zoe Jungmann
Sina Jungmann
Sam Jungmann
Caprice Nickholz
Neviah Nickholz
Leni Bettmann
Henry Bettmann
Josefine Heuckmann
Musikant:innen der Alte Schule.
TÖNNIS GANZ AUS DEM HÄUSCHEN
Verena Stapel
Jutta Papenfort
Matthias Heuckmann
Roswitha Gerdt
Oliver Lüring
Christian Lüring
Philip Lüring
Thomas Stapel
Maike Tripp
Luisa Stapel
Anna Scherlitz
Markus Kocker
Tim Papenfort
Stefan Tripp
Sebastian Bettmann
Christiane Heuser
Monika Kortenjan
Martina Bömer
Steffie Scheffer
Edeltraud Rampelmann
Beate Fleischer
Jule Scheffer
Gitte Lüring
Ria Lüring
Gitte Brinkmann
Jutta Otterstedde
Andreas Stapel
Ralf Miloczewski
Anke Gerullis
Tanja Beier
Alfons Beier
Elisa Fleischmann
Anne Askar
Jörg Nickholz
André Friemel
Andreas Scheffer
Sonja Mense
Martin Stapel
Christiane Heuser
Dagmar Jungmann
Tinna Lüring
Anne Askar
Friederike Klein
Jochen Rölfing
Peter Rusak
Tim Saager
Fabian Skutta
Niklas Inderwiedenstraße
Georg Scheffer
Mötte Gerullis
Christiane Heuser
Annette Brüggemann
Andreas Scheffer
Andreas Stapel
Jutta Otterstedde
Ria Lüring
Annette Brüggemann
Christiane Heuser
Mötte Gerullis
Familie Heuckmann und Familie Gerdt für die Bühnen vor ihren Haustüren.
Andreas Stapel für die Kanzel » Für Andi ist kein Weg zu weit !«
Heiner Lüring für die geschmiedeten Hellebardenspitzen.
Manfred Brückner für das Kreuz in unserer Scheunenkirche.
