...AD 2015, an einem trüben Sonntag in Tönnishäuschen, als sich ein halbes Dutzend Dorfbewohner in der Alten Schule traf, um ihrem Lieblingsritual zu frönen: Gerstensaft und Gespräche. Da äußerte der örtliche Klempner seinen Unmut über das dargebotene Industriebier; fade sei es im Geschmack und in seiner Beliebigkeit geradezu beleidigend. Wie sollte man bei so einem Gesöff auf inspirierende Gedanken kommen ? »Dann mach‘s doch selbst! Nein, besser wir!«, tönte flugs die Runde. Der Name des Eigenbräus war schnell gefunden, noch bevor man wusste, wie es zu brauen sei: Torckel Bräu ― den Altvorderen des örtlichen Adelsgeschlechts zu zweifelhafter Ehre gereichend.
Eine Woche später brach eine Delegation auf gen Dortmund, um in der Stadt des Bieres das edle Brauhandwerk zu studieren. Bei Meister Walczak fanden sie Gehör und wurden eingeführt in die Alchemie des Brauens. Umgehend setzte man das Erlernte um. In der Alten Schule wurde nun Bier gebraut, wobei die wackeren Brauer:innen mehr Bier vertilgten, als sie neues brauten. Meister Walczak brach daraufhin selbst gen Tönnishäuschen auf, um der fast vollständig erschienen Bevölkerung vor Ort die für die Kunst des Brauens nötige Ernsthaftigkeit und Solidität einzutrichtern. Dies gelang ― teilweise. Der Klempner und seine Mitstreiter:innen brauten munter weiter immer größere Mengen in der nunmehr eigens errichteten Braustube. Der Gerstensaft ist von außerordentlich guter Qualität und macht manchmal seines Namens Doppeldeutigkeit große Ehre, indem er seine Konsumenten zu gar lustigen Gangbildern veranlasst.
Torckel Bräu ist allerdings nicht zu erwerben. Es wird zugeteilt, man verdient es sich oder man hat ein Tauschobjekt zur Hand ― so will es der örtliche Klempner.
Hubert Schulze-Dingens,
Bierkutscher aus Tönnishäuschen
